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29
Aug
2010
Wie geht es weiter? - 30.8.2010 Print E-mail


Wir melden uns wieder aus Mangalia nach unserem kurzen Heimaturlaub in Österreich.

Am Boot ist alles in Ordnung, wir hatten ja alle Systeme eingeschaltet gelassen - weil ja der Tiefkühler voll ist muss der Inverter laufen und daher auch die Batterien geladen werden. Zusätzlich war wie immer die Festbeleuchtung an, also musst auch das 12V-System laufen.

Alle Geräte arbeiten einwandfrei und harmonieren sehr gut. Wir sind sehr zufrieden!

 

Sobald es das Wetter erlaubt, fahren wir nach Bulgarien - entlang der bulgarischen Schwarzmeerküste - Balcik, Varna, Nessebar, Pomorje, Burgas, Sosopol ..... dann sind wir in der Türkei. Anfang nächster Woche wollen wir in Istanbul sein und am 14.September werden wir mit neuen Gästen von Istanbul in die Ägäis aufbrechen.


Die darauf folgenden Wochen werden wir in kurzen Tagestörns von einer Bucht zur nächsten fahren - Lesbos - Izmir - Chios - Kusadasi - Samos - Kos - Bodrum - Rhodos - Marmaris - Fethije .....
Die Ägäis ist sicherlich eines der Highlights dieser Reise, traumhafte türkise Badebuchten mit kristallklarem Wasser, Sandstrände, kleine verträumte Fischerdörfer, frische Fische am Tisch, dazu eine Flasche griechischen Wein ..... da beginnt nun der Urlaub!

Aufgrund der Hochwasser-bedingten Termin-Verschiebung sind sogar noch Restplätze frei - Details zur Route auf der Homepage unter "Mitfahren".

In diesem Gebiet kann meist man bis Ende November baden!

 

Schlagen Sie dem Herbst ein Schnippchen - wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 
Presserummel in Mangalia Print E-mail
Die Solarwave ist nun in Mangalia - ca. 23 SM südlich von Constanta an der rumänischen Riviera - dutzende Hotelburgen und Clubs säumen die Ufer, man glaubt in Italien zu sein .........

Wir haben hier etliche Pressetermine und "Probefahrten" mit offiziellen Vertretern des Landes, verschiedene Bürgermeister, vom Polizei-Gereral über Regierungsvertreter bis zum obersten Chef der Küstenwache war schon alles da.

Vier Fernsehteams und etliche lokale und nationale Zeitungen und Zeitschriften haben mehrere dutzend Mal in den Nachrichten über Solarwave berichtet. Das Medieninteresse ist sogar größer als in Österreich. 

Wir liegen auf Einladung der Gemeinde während des Stadtfestes hier an der Uferpromenade und machen 30min Cruises für Touristen und Behördenvertreter.
Hier haben wir auch Norbert kennengelernt, er ist mit seinem nur 4 Meter langen Trimaran "Däumling" auf der Donau von Österreich bis ans Schwarze Meer gekommen - die ersten Meeres-2 Etappen von Sulina über Constanta nach Mangalia hat er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 2 Knoten bereits hinter sich. Da das Boot überhaupt keine Höhe laufen kann und die beiden sehr betagten Aussenborder auch nicht gegen den Wind eingesetzt werden können, sind wir über seinen Mut wirklich erstaunt - um es dezent zu formulieren. Der 4m lange und ca ebenso breite Eigenbau ist 2 Tonnen schwer und soll die sehr anspruchsvolle Strecke quer durch das Schwarze Meer, Bosporus, Dardanellen, Ägäis, Korinth (ist für mich fraglich, da er länger als zulässig durch den Kanal brauchen würde - ergo um den Peleponnes unten rum muss...) und über die Adria rauf bis Venedig durchhalten.
Da er von seinem Vorhaben überzeugt ist, können wir ihm nur viel Glück und gutes Wetter wünschen. - siehe Fotos

In Mangalia ist es drückend heiß, am Wasser zwar "nur" 32°, am Land aber täglich zwischen 35° und 40°C. Mangalia ist von den Hotelanlagen und den Stränden wirklich vergleichbar mit den Ferienburgen an der oberen Adria - Jesolo, Lignano .... nur zum Unterschied, hier bekommt man fast nichts zu kaufen. Tausende Menschen prominieren, aber es gbt nur sehr wenige Stände die etwas anbieten, Strandkleider um 3-4 Euro, Badeschlappen, Döner um 1,5 Euro. Die Restaurants sind aus der selben Liga - gestern haben wir um knapp 10 Euro gut zu Abend gegessen - inclusive Getränke und Rahmenprogramm ...
In kurzen Worten das Programm und die Mitwirkenden - Ort der Handlung, ein Selbstbedienungsrestaurant an der Promenade mit in Vitrinen sichtbaren Speisen, sehr schön gemacht, voller Sitzgarten - ein gutes Zeichen. Den sehr günstigen Preisen entspricht das Publikum.
Neben uns, eine Familie, die 4-jährige Tochter steht bzw. liegt halb rücklings über die am Tisch sitzende Mutter und bekommt im Abstand von 20 Sekunden ein Nahrungsbällchen eingestopft - bestehend aus Weißbrot als Objektträger, darauf Mais-Sterz darauf Pommes, das Weißbrot wird durch Drücken oben verschlossen und so lange zwischen den Fingern geknetet, bis es die richtige Form für den Kindermund hat. Das Kind kommt mit dem Kauen dieses unkaubaren etwas kaum zurecht, dehalb gibt es die Colaflasche nicht mehr aus der Hand. So bekommt die Kleine eine Portion eingeschoben, von der ich bequem satt geworden wäre. Man sieht es ihr auch an.
Der ca. 12-jährige Stammhalter der Familie liegt fast am Teller - 2 große Semmeln (Brötchen) ein Schnitzel und Unmengen von Pommes liegen vor seinem Mund. Die Gabel bleibt im Fleischstück stecken, er braucht sie nur, um besser abbeißen zu können und schiebt mit dem Fleisch die Pommes in den Mund. Wo er diese Technik gelernt hat ist unbekannt, von der Mutter nicht, sie verwendet kein Besteck, sie hat ja Finger. Auf Ihrem Teller sind die bereits erwähnten Zutaten: Brot, Polenta und Pommes. Der Vater stopft wortlos seinen Teil des preisgünstig Erworbenen in den Mund. Bis er stockt. Er rührt mit der Gabel - ja, dazu kann man sie verwenden - am Teller herum, stochert, der Sohn kichert, stochert weiter, legt etwas frei, die Mutter schüttel den Kopf, die Tochter kaut weiter und wird gestopft. Nach längerem Freilegen und Kichern steht er auf, geht zum Tresen, entsetzte Blicke auf der anderen Seite, das Teller verschwindet mit einigem Gezeter in der Küche, wir glauben etwas Braunes mit Beinen erkannt zu haben. 
Das war noch nicht alles!
Am Tisch hinter Heike isst ein kleiner Junge gerade rückwärts - die Mutter hält ihn an, nicht auf den Teller, sondern im Stehen mitten am Gang den Inhalt seines Magens zu verteilen. Es spritzt bis zu uns. Heike glaubt meiner Schilderung nicht, zum Glück, ihr wäre es sonst gleich ergangen ... erst als der Kellner mit dem gefüllten Kehrschauferl vorbeigeht ...... die Eltern verlassen mit dem Kind fluchtartig das Lokal und lassen die guten Speisen stehen ....
Am Tisch hinter mir werden von  3 Personen in gestoppten 4 Minuten 18 Stück Brot gegessen, zu einer Suppe, Schnitzel und einem Eintopf. Brot gibt es fast gratis.
Einer andere Frau isst alleine gezählte 18 Stück Brot zum Eintopf.
Wer glaubt, dass dies nun Einzelfälle waren, der irrt, wir haben uns noch ein 2.Bier gekauft um länger Zeugen diesen kunterbunten Treibens zu sein.


Die langen Jahre im Kommunismus haben dieses Land geprägt - zu Zeiten Ceausescus sagen viele, sei alles besser gewesen, sie hatten zwar wenig Geld, aber alle hatten Arbeit, Sicherheit, medizinische Versorgung.
Nach dem wundersamen Putsch, der filmreifen Verfolgung des in Ungnade gefallen Staatschefs und der Hinrichtung von Ihm und seiner Frau  - das möglicherweise von langer Hand aus dem Ausland vorbereitet wurde, folgten Jahre des Niedergangs. Vielfach hört man hier, dass das Land systematisch ruiniert wurde - keine Investitionen in Infrastruktur, Soziales, Arbeitsplätze - ganz im Gegenteil Ausverkauf des Staatsvermögens um Spottpreise an den Dunstkreis der Machthaber. Die wiederum haben die Unternehmen in der Folge mit horrenden Krediten zu weit überhöhten Preisen weiter im Kreis verkauft, bis alles ein gutes Geschäft gemacht haben - bis auf die (zumeist österreichischen) Banken, die das Ringelspiel finanziert haben. Aber die können ja entweder von der Republik Österreich Geld bekommen oder noch besser, eine "Kapitalaufstockung" durchführen. Eine herrliche Sache übrigens, wenn man kein Geld mehr hat, verkauft man Anteile von etwas, das einem schon längst nicht mehr gehört (weil man total verschuldet ist) und ist damit wieder flüssig. Mit dem Geld zahlt man dann längst fällige Kredite oder stopft andere Löcher ....
Aber zurück zu Rumänien - mit dem EU-Beitritt ist auf einmal Geld geflossen - die Firmen haben sich einen neuen Markt eröffnet, der vorher nicht zur Verfügung stand, die Arbeitnehmer dürfen in die gnaze Welt reisen, mit oder ohne Geld, manche kommen ohne Auto zu uns und fahren mit Auto wieder nach Hause.
Die EU finanziert hier großzügigst Infrastrukturmaßnahmen, auch viele für uns unverständliche. Kanal- und Strassenbauten, Yachten für die Küstenwache, hunderte hochmotorisierte Boote für die Überwachung der "hochbrisanten EU Innengrenze!!! auf der Donau" (zwischen Bulgarien und Rumänien - beide EU-Mitglieder!) - die nur herumstehen - na was sollten sie auch tun?
Die Marina in der wir stehen, wurde von der EU bezahlt, wenn (selten) auf der Tafel die Kostenverteilung draufsteht, dann sind es 90% EU, 10% Rumänien.

Was verdienen die Menschen hier eigentlich? Echte Beispiele von Menschen die wir persönlich kennen:
Veräuferin: 150 - 180 €
Lehrer ca. 40 Jahre: 400 €
Polizist ca. 40 Jahre: 400 - 500 Euro
Facharzt angestellt in Kassenpraxis: 300 €
Arzt im Krankenhaus: unter 300 €
Pensionist Arbeiter: 120 bis 150 €
Pensionist Akademiker: ca. 250 - 300 €

Einschränkung: es gibt mitunter lokale Unterschiede und die Einreihung in einen mit unserem System vergleichbaren Dienstrang ist tw. schwierig.

Was kosten die Wohungen und das Leben?
3 Zimmer in sehr guter Lage: 700 - 1000 €
3 Zimmer in günstiger Lage: 100 - 200 € warm
Autos: ungefähr gleich wie bei uns
Handy: billig, weil sich die Anbieter bekriegen (1200 min um 5 €)
Essen gehen: ca. 30 - 50 %  billiger als in D und Ö
Nahrungsmittel: 0 - 30% billiger als in D und Ö
Treibstoff: 10 % billiger als in D und Ö

Unter dem Strich frägt man sich, die wie Leute hier ihr Leben finanzieren - Antwort der Einheimischen: mit unzähligen Geschäften unter der Hand. Da wird z.B. Honig verkauft, Autos aus D und Ö geholt und hier verkauft, kleine Provisionen empfangen für Kontakte oder Gefälligkeiten, günstige Nahrungsmittel bei Verwandten vom Land bezogen, teilweise sind es auch Geschäfte in der Grauzone zur Kriminalität. Auf meine blauäugige Frage, ob es denn eine EU-Förderung für neue starke Aussenbordmotoren gibt - man sieht hier ungewöhnlich viele uralte, kleine Boote mit hochmodernen 225, 250, 300 PS Aussenbordern - bekam ich die Antwort von einem, der es wissen musste: "90 % sind gestohlen - kommen  aus Italien".
Ein hochintelligenter Elektroingenier - siehe Foto mit seinem Fahrrad - (gekündigt, in Frühpension mit 250 €) besucht uns täglich am Boot - er führt auf der Promenade sein Fahrad mit Hand- und Fussbetrieb (absolut genial!!! - Produzent gesucht!) und ein von ihm gebautes 25 kmh schnelles "Wasserfahrad" mit Flossenantrieb vor und ersucht um Spenden für weitere Entwicklungen.

Die breite Masse, denen diese Möglichkeiten des Zuverdienstes nicht offenstehen, sind bitterarm, die sieht man aber auch nicht in den Einkaufsstraßen und am Strand .....

Der Rolls Royce, AMG S63 Mercedes, Cayenne S, Bentley und die unzähligen Geländewägen, die fallen auf.

Kurz ein wenig Geschichte - der römische Dichter Ovid (siehe Foto) wurde 8 nChr, nach Constanta verbannt wo er lebte und starb, prachtvolle klassizistische Bauten, die leider sehr verfallen sind kennzeichnen diese Stadt. Hier ein Foto des leider leer stehenden (Jugendstil) Casinos, das bereits eine sehr ruhmvolle Vergangenheit erleben durfte und vielleicht doch noch einmal im alten Glanz erstrahlen darf.




 
02
Aug
2010
Donaudelta - 1.8.2010 Print E-mail

Der morgendliche Einkauf am bunten Markt läßt uns wieder um einige Zentimeter
wachsen. Mehrfach sehen wir Menschen tuscheln, kichern und mit dem Finger auf uns zeigen - es ist nicht meine bunte Brille - wir hören immer wieder "..... Solarkatamaran ... Televisor..." - da haben uns offenbar etliche im Fernsehen gesehen! Wir fühlen uns wie Stars!

Die Fahrt nach Sulina ist unser vorletzter Abschnitt am Weg zum Meer - bei Meile 14 (seit Galati - km 150 - gibt es keine Kilometer mehr sondern Seemeilen) biegen wir ab und fahren gewissermaßen retour zur Meile 23 des alten Donauflusses. Der neue Sulina-Kanal wurde schon vor vielen Jahren gebaut - nun wird die Renovierung von der EU finanziert .... - siehe Foto. So ganz ist es uns nicht klar, warum wir Österreicher dafür bezahlen, dass hier Milliarden im wahrsten Sinn des Wortes versenkt werden ... Ich wünschte, ich hätte das Geld, das allein die hunderten "EU-Beweihräucherungsschilder" kosten.
Vermutlich noch mehr Geld kosten die Besuche der Kommissionen, die kontrollieren, ob die Schilder aufgestellt wurden ... wie auch immer, der Fluss wird ordentlich begradigt und vielleicht in ein paar Jahren wieder "rückgebaut und renaturiert".
So hat man immer was zu tun und die Kommissionen können mehrmals hierher ins
Naturschutzgebiet pilgern.

Aber seit der Abzweigung in die alte Donau herrscht die Natur! Natur pur! Zur Begrüßung gleich ein Schwarm Pelikane, die sich im sanften Abendlicht noch ein paar Fische aus dem reichlich gefüllten Bach holen. Wir befahren hier die alte Donau, die bis zum Kanalbau die eigentliche Wasserstraße zwischen dem Schwarzen Meer und Wien war. Heute wird sie nur noch von Touristenbooten als Autobahn genutzt, ständig rasen sie mit ihren bis zu 150kmh schnellen Booten vorbei - schlimm vor allem die Motoryachten, die im Abstand von nur wenigen Metern - gefühlte 30cm, in Armreichweite - an uns vorbeidonnern - unser Kat ist mit 7,5 so breit, dass wir zwar heftig schaukeln, aber die Teller bleiben am Tisch.
Die kleinen Boot am Ufer rings um uns werden teilweise auf die Stege geworfen. Ärgern bringt nichts, die Kerle sind unbelehrbar.

Wir haben einen schönen Platz vor dem Hotel-Restaurant "Big-Fish" gefunden - mitten im Dorf, das leider nicht mehr so ursprünglich ist wie erhofft, überall hat der spärliche
Tourismus Einzug gehalten.
Pensionen wachsen aus dem Boden, stehen aber mangels Touristen fast leer. Auch auf der Fahrt hierher haben wir etliche große Ferienanlagen gesehen - offenbar außer Betrieb.

Die Preise sind jedoch am Boden geblieben, im BigFish essen wir einen 200 Gramm Fisch in der Brotkruste gut zubereitet - um unglaubliche 75 Euro-Cent. 2 solche Fische mit Salat und Pommes kosten dann ca. 2,20 Euro.
Bekanntere Fischsorten sind schon ein wenig teurer, aber unter 5 Euro bleibt man immer.

Auch hier kommt am nächsten Morgen der Besitzer des Nachbarhotels auf uns zu mit den Worten "your are famous - I see you in Television! Can I take foto of you and me for my wife?"

Und am Abend kommt uns sogar der russisch-orthodoxe Padre besuchen und bietet seine Hand gegen Koje an - er ist Priester im vierten Bildungsweg, zuerst war er Bäcker, dann Tischler, dann Chorleiter und nun geistlicher Herr über ein paar hundert
Seelen. Bis nach Mitternacht lernen wir die Unterschieder der vieschiedenen Kreuzzeichen und welcher Zweig der Orthodoxen sich wann von den anderen abgespalten hat und vor allem warum .... vielleicht sollte ich auch nach erwähnen, der Padre spricht kein Wort englisch - und wir kein Wort rumänisch ..... zuerst das "Hirter Bier" und dann die "Gurktaler-Alpenkräuter" haben dazu beigetragen, die sprachlichen Barrieren zu überwinden. Es war lange nach Mitternacht als der Pater den Heimweg zu seiner Frau angetreten ist.
Sein Monatslohn beträgt übrigens 300 Euro. Ob er seine Frau auf die Hand-gegen-Koje Weltumrundung mitnehmen möchte, wird er uns noch sagen.

Die Steca-Gefrierbox, der große Liebherr-Kühlschrank und die Miele-Waschmaschine sind schon seefest befetigt - gleich wie am vorigen Boot mit Spanngurten - auch die Batterien bewegen sich keinen Millimeter mehr, ein paar kleine Arbeiten noch, dann sind wir "Seeklar".

Die folgenden Tage sind mit Foto-Shootings bei den Pelikanen Reihern und Fröschen
vergangen, die Lipowanerhäuser und die Menschen und Ihre Tätigkeiten haben gute
Fotomotive abgegeben.

Was uns vor allem begeistert und rührt sind die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und
Gastfreundschaft der Menschen hier.
Alle kommen offen auf uns zu, niemand ist abweisend, ein Opi ist begeistert, als ich mich dafür interessiere, wie er sein uraltes Holzboot repariert und erklärt mir - auf rumänisch - was zu beachten ist. Zweimal werden wir zu einer privaten Bootstour in das Delta eingeladen, immer wieder kommt jemand mit einer Flasche Wein, Stegnachbarn laden uns zur Grillparty ein - wir wissen gar nicht, wie wir uns bedanken sollen und welche Gastgeschenke wir mitbringen sollen .... Unvorstellbare und noch nie erlebte Herzlichkeit strahlen diese Menschen aus. Und das Interessante - es geht durch alle Bevölkerungsschichten - vom reichen Firmeninhaber über den Pfarrer zum einfachen Fischer.
Jedes Mal fällt uns der Abschied schwer, und schweren Herzens fahren wir weiter.
Danke Euch allen - es ist schön, dass es Euch gibt!

Das Delta selbst ist ein Naturschutzgebiet - leider für meinen Geschmack ein bisserl zu wenig gepflegt, die Sorglosigkeit, mit der die Einheimischen ihre Plastikflaschen ins Wasser werfen ist leider auch auffallend. Die Nationalparkverwaltung glänzt mit
Abwesenheit, es wird nicht kontrolliert und nicht gereinigt. Aber wenn man diese
Umweltsünden ausblenden kann, dann ist das Donaudelta ein wirklich einmaliges
Naturparadies. Kaum durch exzessiven Tourismus in Mitleidenschaft gezogen offenbart sich eine weitgehend unberührte Tier- und Pflanzenwelt dem Betrachter. Wenn man nur weit genug fährt findet man auch Menschen die in einer oft erschreckenden Ursprünglichkeit ihr Dasein fristen - dabei aber nichts an Lebensfreude eingebüst haben.

Die letzten Donaukilometer verlaufen unspektakulär, das ACR-AIS warnt uns schon lange bevor wir einen Ozeanriesen zu Gesicht bekommen - dann erreichen wir bei Kilometer 0 die Stadt Sulina, das Ende der Donau, der Beginn des zweiten Abschnittes unserer Reise.

Fotos:
1. Frosch
2. Pelikan

3. eines von tausenden Schildern - die EU finanziert scheinbar ganz Rumänien

4. Fischportion im Restaurant "Big Fish" in Mila 23
5. Heike kauft frische Froschschenkel von 91-jährigem Fischer

6. mit 150 kmh durchs Naturschutzgebiet - mit Fliegerhelm!
7. Lipowanerhaus in Mila 23

 
ueber Rumaenien ..... Print E-mail

Nun haben wir einige Städte in Rumänien gesehen - überaus freundliche Menschen auf der einen Seite und marode Bausubstanz und leere Betriebsgelände auf der anderen Seite kennzeichnen dieses Land. Je mehr Einblick in dieses System gewinnt, desto absurder erscheinen die überall lustig im Wind flatternden EU-Flaggen. Man glaubt es nicht, man ist hier mitten in der EU - siehe Foto unten.

Der EU-Beitritt Rumäniens war sicherlich ein gutes Geschäft. Für Politiker, Lobbyisten, mittel- und westeuropäische Unternehmen und Günstlinge dieser Systeme.
Leider kein Vorteil für die, um die es angeblich geht, für die, die diese Politiker gewählt haben, für die, die diese Suppe nun auslöffeln müssen - die Bevölkerung Rumäniens. Kein Tag vergeht, an dem uns nicht jemand erklärt: "das hätte es unter Ceausescu nicht gegeben", "Ceasescu hätte niemals Hallen leer stehen lassen", "damals hatten alle Arbeit und jeder wusste dass er auch morgen Arbeit haben wird", "früher hatten alle Sicherheit, eine ordentliche Wohnung und niemand musste hungern"

Ein Polizist oder ein Lehrer mit 20 Dienstjahren verdient ca. 400 - 500 Euro maximal, Pensionisten sind meist wesentlich ärmer dran - 150 - 200 Euro sind da die Regel. Seit Juli 2010 gibt es pauschal für alle 25% weniger Lohn. Richtig gelesen - ein Viertel weniger. Einfach so.
Dafür wurde die Mehrwertsteuer auf 24% angehoben - im gleichen Monat. Einfach so.

Die Straßen sind miserabel, ebenso die Infrastruktur und das Gesundheitswesen. Zum Ausgleich dafür gibt es reichlich Verwaltung.
"Verwaltung kostet nichts" hat mein ehemaliger Chef Hofrat G.G. (die ihn kennen werden jetzt schmunzeln) gesagt. Der Spruch stimmt sogar, wenn man ein paar Worte hinzufügt: "Verwaltung kostet viel und bringt nichts".
Zugegeben, ein bisserl Verwaltung ist notwendig, aber wenn man zum Eintritt in einen Nationalpark Reisepass und Schiffspapiere vorweisen und mehrere Zettel ausfüllen muss, zu einer in einem anderen Gebäudetrakt gelegenen Zahlstelle gehen muss, mit der Bestätigung retour um sich wieder ein neues Formular abzuholen - das ganze für Boot und Personen getrennt, dann hört man schon den Amtsschimmel laut wiechern. Unzählige Zettel müssen ausgefüllt werden die WIR mit unserem Bootsstempel abstempeln müssen. Ohne eigenem Stempel läuft da gar nichts. Richtig gelesen - eine Rechnung die ich bezahlen
muss, muss ich als Kunde abstempeln. Man stelle sich diese Prozedere beim Eingang in den Nationalpark Hohe Tauern vor.
Holländische Touristen mit eigenem Stempel bevölkern riesige Verwaltungsburgen und brauchen zwei Stunden für den Verwaltungskram bis sie weiterfahren dürfen. Was würde die Bild-Zeitung am nächsten Tag auf der Titelseite schreiben? "Össis verückt geworden"!

Ein einfacher Fischer hat es auf den Punkt gebracht. Wir sind eines Abends zusammen bei uns am Boot gesessen, haben Wein getrunken, er konnte kein Wort deutsch oder englisch, wir kein Wort rumänisch, mit italienisch kommt man auch nicht weit. Trotzdem haben wir uns prächtig verstanden. Zu vorgerückter Stunde hat er gemeint: "Germania, Austria super, Romania (dann hielt er sich beide Hände von hinten so an den Kopf, dass die ausgestreckten Zeige und Mittelfinger über den Kopf hinausschauten wie 2 Tierohren - und dabei machte er folgendes Geräusch) "iii-ahhhh - iiiaahhhhh - Romania iii ahhhh".
Traurig aber wahr - am abfälligsten über ihr eigenes Land und deren Bewohner äußern sich die Einheimischen. Als so schlimm empfinden wir es gar nicht - das Land ist wunderschön, die Menschen überaus freundlich und herzlich. Lediglich der politische Selbstbedienungsladen müsste verringert und die Produktivität gesteigert werden - und natürlich ohne EU-Milliarden, zu Ceausescus Zeiten hatte das Land ja schließlich auch keine Schulden.

Für das Parken an einem staatlichen Steg muss man - warum auch immer - in Euro bezahlen, bisher hatte aber keine der beamteten Damen auch nur einen Euro Wechselgeld. So gewinnt man zufriedene Kunden!

Ständig treiben ganze Bäume (die sind wenigsten "bio") Plastikflaschen, Öl-und Benzinflecken vorbei. Nein, nicht die bösen Serben haben den Müll ins Wasser geworfen, hier, die eigenen Leute mitten im Naturschutzgebiet werfen ständig von den Booten Flaschen ins Wasser, vom Boot direkt vor uns treibt ein großer Benzinteppich talwärts und die unzähligen uralten russischen Tragflügelboote, die die einzelnen Orte des straßenlosen Deltas miteinander verbinden, hinterlassen ganze Öl- und Rußlachen.

Trotz eingehender Nachfrage hat uns der Governor des Naturschutzgebietes persönlich erklärt, auch ein Solarboot muss den vollen Naturschutzbeitrag entrichten, weil auch wir die Ruhe im Reservat stören .... wir stören zwar lautlos und geruchlos, aber wir stören. Das Boot der Nationalparkverwaltung heißt sinnigerweise "Biosphere" und hat einen 250PS Motor hinten drauf.
Damit erreicht das 5m Boot eine Höchstgeschwindigkeit von geschätzten 140 kmh - sehr sinnvoll im Reservat!

So - genug geunkt.

Nun zu den positiven Dingen. Gestern war ein Team von "Antenne uno" - dem größten rumänischen TV-Sender an Bord - heute wurde der Bericht bereits mehrmals gesendet und ist bereits auch auf unserer Website zu sehen.
Als Reaktion darauf haben sich die Zugriffe auf unsere Website verdreifacht, ständig fahren Motoryachten mit Einheimischen an Bord im Schrittempo an uns vorbei und fotografieren die Solarwave aus allen Richtungen. Immer wieder werden wir von Passanten angesprochen. Das Interesse der Menschen ist sehr groß, so wird der Druck auf die Industrie, Dinge wie den Solarwave-Kat zu produzieren von der Basis kommen.
Auch der Herr Governor - Befehlshaber über einen großen Verwaltungsapparat, etliche Reservatwächter, viele hoch-PS-ige Rennboote mit 300 PS Benzineraussenbordern und über das über 4000 km² große Donaudelta war heute an Bord und zeigte sich begeistert vom Solarwave-Projekt. Man überlegt, die Boote der Naturschutzwächter auf lautlose E-Motoren umzurüsten. Na mal sehen.


Der Abend kehrt ein, die mit Vollgas vorbei düsenden Motorboote und die maroden Frachter werden weniger, die Donau fließt ruhig an uns verbei, ein großer mächtier Strom, der sich von den PS-Monstern nur kurz aus der Ruhe bringen läßt.
Nebn uns der Raddampfer "Republika" - 1888 in Linz gebaut wurde sie im ersten Weltkrieg von den Rumänen beschlagnahmt und diente seitdem bei der Kriegsmarine - bis man sich 2003 entschloss, das stolze Stück Geschichte zu restaurieren und als Restaurant zu einem würdevollen 2. Leben zu verhelfen. Eine sehr schöne Geste der rumänischen Militärs, die Stadt Tulcea ist nun Eigentümerin dieses Museumsstückes. Wir haben eine persönliche Führung durch Käpt´n George, den Herr über Dampfmaschine und 2 Schaufelräder erleben dürfen. Sehr erfreulich das dieses Prachtstück erhalten geblieben ist.

 
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