Der Solarwave-Katamaran hat seine Jungfernfahrt höchst erfolgreich absolviert!
Mittwoch 13.1.
Um 9 Uhr früh - im hohen Norden ist das kurz nach Sonnenaufgang - starteten wir. Ein Begleitboot haben wir für den Fall der Fälle organisiert, das auf Standby neben uns hergefahren ist, um uns, wenn notwendig, sofort in Schlepp nehmen zu können. Der Rhein ist ja eine Schifffahrtsstrasse, auf der ein Verkehr wie auf einer Autobahn herrscht. Es wäre unvernünftig gewesen, eine Testfahrt ohne Begleitung zu riskieren.
Die 102 km lange Strecke von Königswinter nach Düsseldorf haben wir in 8 Stunden zurückgelegt - eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 13 kmh - wenn man die Strömung des Rheins von ca. 4-5 kmh abzieht (er hatte Niedrigwasser), dann bleiben "netto" ca. 8-9 km/h ~ ca. 4 kt, die wir aus eigener Kraft zurückgelegt haben.
Wir sind dabei mit einer Leistung von 2 kW gefahren - zum Testen abwechselnd mit den Torqeedo E-Aussenbordern und mit den Aquawatt- Innenbordern, die eine ähnliche Performance brachten. Eine erstaunbliche Leistung für die 2 kleinen und leichten Motoren - mehrfach wurden wir davor gefragt, ob wir "die zum Milchaufschäumen verwenden" - umso größer war dann das Staunen der anwesenden Presse, als wir ihnen zeigten, dass die Torqeedos es sogar alleine schaffen, das Boot gegen den Strom zu bewegen!
Für höhere Geschwindigkeiten stromaufwärts brauchten wir natürlich die beiden deutlich stärkeren Aquawatt-Innenborder.
Kurz vor Erreichen unseres Ziels starteten wir auch noch unser Fischer-Panda Notsromaggregat - AGT 4kW an 48V - um die Leistung unter Betrieb der Motoen zu testen. Der Motor ist im Cockpit überhaupt nicht zu hören, er wird uns jetzt im Winter zum Heizen und beim Fahren gegen die Strömung gute Dienste leisten. Auf der Weltumrundung wird er ja wie angekündigt verplombt werden.
Das Wetter war kurzzeitig sonnig, aber kalt - hier im Hintergrund der Kölner Dom.
Überwiegend hat es jedoch geschneit, teilweise herrschte richtiges Schneetreiben so wie hier bei der Einfahrt nach Düsseldorf - im hohen Norden wird es auch früher dunkel als in Österreich! .
Die Zeit dazwischen verbrachten wir mit frieren, Glühwein-trinken und Schneemann-bauen
Das abschließende Highlight war dann die Einfahrt in die Marina Düsseldorf, tief verschneite Stege und im hinteren Teil des Hafens, wo wir anlegen sollten, war das Wasser zugefroren. Wir mussten zuerst wie ein Eisbrecher mit dem Bug die Schollen wegschieben, um den Steg frei zu machen.
Ganz hinten links sind wir - man sieht das rote Bb-Licht.
Ein sensationell erfolgreicher Tag ging zu Ende - ein herzliches Dankeschön an alle beteiligten Firmen, die uns mit ihrem Know-How und ihrem Material unterstützen. Ein spezieller Dank auch an jene Menschen, die uns bei den Arbeiten an Bord geholfen haben - Karl-Heinz, Hubert, Fredl, Christian, Heinz, Henning und unser Rheinlotse Klaus. Ohne Euch wäre vieles nicht möglich gewesen! Danke!
Die Messungen:
Mit ungefähr halber Leistung erreichten wir strömungsbereinigte "netto" 7,5 Knoten Fahrt durchs Wasser! Eine absolute Sensation - die Höchstgeschwindigkeit haben wir noch nicht ermittelt, wird aber vermutlich bei über 9 Knoten liegen. Was wir aber jetzt schon wissen - die geplante Reisegeschwindigkeit von 3,5 kt durchs Wasser bei einer Leistung von 2 kW werden wir erreichen. Mit der Strömung, die auf weiten Teilen unserer Strecke um die Welt unterstützend mitschiebt, werden es ca. 4 kt sein. Rund um die Uhr, über viele Wochen - absolut emissionsfrei und geräuschlos.
Apropos! Ungewohnt, fast gespenstisch war die Ruhe - das mit uns gefahrene WDR-TV-Team hat gefragt, wann die Motoren denn "gestartet" werden, völlig geräuschlos bewegte sich das Boot durchs Wasser. 4 - 5 - 6 - 7 - 8 Knoten schnell, nur auf den Instrumenten konnte man erkennen, dass die Motoren laufen!
Es gibt kein Argument mehr für Segel und ein teures Rigg! Die Zukunft hat begonnen!
Donnerstag 14.1.
Am nächsten Morgen - 8 Uhr, noch fast dunkel, die Presse wartete schon am Steg - Abschaufeln des Solardaches für die Kameras - danach ging es von der Marina Düsseldorf zum Krantermin für die Messe.
Naheliegend, aber sehr ungewohnt, dass man in den Kran nicht von vorne, sondern von der Seite - gegen den Strom - einfährt, dann 2 Bugleinen übernimmt und von einen unbarmherzigen Hydraulik gegen die Strömung unter das stählerne Monster gezogen wird. Das Anlegen der Gurten im srömenden Fahrwasser war eine echte Herausforderung, die von dem Kranteam aber sehr gut gelöst wurde.
Links im Hintergrund der Kran "Big WIllie", der in den Rhein hineinfährt und von Winden wieder an Land gezogen wird.
Dann waren etliche TV-Teams, Redakteure und Fotografen angekündigt, nach insgesamt 6 Stunden hatten wir den Interviewmarathon hinter uns.
Wie geht es weiter?
Das Boot steht nun in der Messehalle - wir bereiten es für die Düsseldorfer Bootsmesse vor.
Der Bau hatg sich wie bei Projekten dieser Art üblich, ein wenig verzögert.
Das Boot ist technisch fertig, lediglich am Innenausbau und an einigen Details wird noch gearbeitet.
Wir können Ihnen auf der Messe daher leider nicht alle Bereiche dieses einzigartigen Bootes präsentieren.
Die Durchführung der Weltumrundung ist jedoch nicht gefährdet, lediglich um einige Wochen verzögert – es sind noch einige Plätze für Mitfahrer auf Teiletappen verfügbar.
Wer Lust hat, kann gerne bei der Fertigstellung des Bootes mitarbeiten (Hand gegen Koje). Der Verein Solarwave e.V. als Betreiber des Projektes ist dankbar für jede Unterstützung!
Wir wollen der Welt beweisen, dass es möglich ist - emissionsfrei und ohne fossile Brennstoffe - große Strecken zurückzulegen und einen Haushalt zu betreiben. Gemeinsam können wir es schaffen!