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Am Donnerstag sind wir gegen Mittag von Turnu Severin abgefahren, schon nach wenigen Kilometern bildeten sich tief schwarze Gewitterwolken am Himmel, ein steifer Gegenwind machte das Vorwärtskommen zunehmend schwieriger.

Weil wir wussten, dass es auf den nächsten 60 Kilometern kaum eine geschützte Stelle zum Ankern oder Anlegen gibt, drehen wir um und suchten Schutz längsseits an einem rostigen Frachter im "Schiffsfriedhof" von Turnu Severin. Bei starkem Wind von achtern und 8 kmh Strömung von vorne war das Manöver ohnehin schon schwer genug, Blitze am Himmel - wir waren froh da zu sein.
Ungefähr hundertfünfzig Meter links (backbord) vor uns ankerte ein Schubverband - ein Schubschiff (ca. 50m lang) mit 3 "Leichtern" (ca. 80m lange Stahl-Kähne ohne eigenem Antrieb - somit Gesamtlänge ca. 300 m!). Plötzlich löste sich der erste von den drei Leichtern vom Rest. Zur Erklärung - diese insgesaamt 4 Boote sind mit Stahltrossen hintereinander derart verbunden, dass sie selbst bei starken seitlichen Belastungen nicht reißen. Vor ein paar Tagen hat sich im "unteren Kasan" - der dritten Engstelle im Donaudurchbruch wenige km Flussaufwärts von uns - ein solcher Schubverband in den reißenden Strudeln aufgelöst. Er hatte sechs Leichter (2 neben- 3 hintereinander) vor sich hergeschoben, als die Stahlseile mit einem lauten Knall rissen. Einen hat es seitlich aufgeschlitzt, er ist mit hunderten Tonnen Mais versunken - der Bug liegt in 80m Tiefe, das Heck hat als wir vorbeigefahren sind wenige Meter senkrecht empor geragt. Die anderen fünf hat das Schubschiff mit einigen Beulen nach der Engstelle wieder selbst einfangen können - das passiert öfters, die Frachterkapitäne sind darin geübt - unglaublich aber wahr. Zurück zu unserer Geschichte: - Und genau das ist dem Verband neben uns auch passiert - zuerst ist der erste Leichter quer treibend mit der Flussgeschwindigkeit der Hochwasser führenden Donau von ca. 8 kmh auf uns zugekommen - Abstand 50m - keine Chance nach vorne zu flüchten - nach achtern schwierig, da waren etliche andere Frachter und starker Wind von hinten, drehen unmöglich - zu wenig Zeit - neben uns schon das Schubschiff. Ich habe Heike nach unten geschickt, Pässe und Geld zu holen, ich hab das Toughbook und die externe Festplatte und die Kameras geschnappt - keine Zeit für Hose und Hemd - das Komando war klar: wenn er in uns hineintreibt - was sich in den nächsten Sekunden entscheidet - auf den Frachter neben uns springen und zuschauen, wie unser gesamter Besitz von tausenden Tonnen Stahl zermalmt wird.

Von seiner Brücke aus hat uns der Kapitän des Schubschiffes - unterstützt durch wild fuchtelnde Armbewegungen - zugerufen - "weg! weg! weg! muss schnell weg!"
Nur wohin!? Gleichzeitig ist er auf den abtrünnigen Leichter zugefahren, hat ihn mit Schwung gerammt, dass es nur so gekracht hat - 4 Männer haben in Windeseile Stahltrossen um die Poller gelegt und an 2 Winden gekurbelt, um den vordersten Leichter mit den beiden anderen und dem Schubschiff wieder zu verbinden.

Innerhalb von Sekunden war das Teil wieder fest und er versuchte mit vollem Schub voraus den seitwärts abdriftende Bug wieder abzufangen.
Auf dem Foto unten sehen Sie links auf der linken Seite die Frachter, an denen wir angelegt hatten - rechts der Schubverband, der den Leichter wieder eingefangen hat und nun mit dem Heck nach Steuerbord (auf dem Bild nach links)

Das geht natürlich nur, indem er mit dem Heck ausschert. In diesem Fall in unsere Richtung. Durch den Vorausschub hat er uns aber ein kurzes Zeitfenster gegeben, nach vorne rauszufahren - "Leinen los! Mit vollem Schub ist die Solarwave mit 17 kmh (durchs Wasser) flussaufwärts gedonnert und konnte knapp zwischen dem Bug des Frachters an dem wir festgemacht hatten und dem Bug des treibenden Schubverbandes durchfahren. Hinter uns schloss der Kapitän die Lücke, indem er mit seinem Heck genau dorthin auscherte, wo wir noch Sekunden vorher gelegen hatten. Damit hat er sein Schubschiff wieder hinter den Rest des Verbandes bugsiert und ihn wieder abgefangen. Wenn wur uns nicht entschlossen hätten nach vorne durchzubrechen, wäre die Solarwave möglicherweise zermalmt worden - aber ist zum Glück alles gut gegangen!

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