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Liebe Freunde von Solarwave!
Wir sind in Sozopol an der südlichen Grenze von Bulgarien zur Türkei und werden seit 2 Tagen vom Wetter hier festgehalten. Wind mit mittlerweile 8 Beaufort von vorne ist ja schon schlimm, aber dieser baut eine hier extrem kurze steile See auf, die sehr unangenehm bis gefährlich werden kann.
Am Mittwoch sind wir 20 SM von Sozopol nach Tzarjevo gefahren, haben dort ausklariert, um dann weitere 20 SM nach Ignada (Türkei) zu fahren. Nach dem Ausklarieren war die See so hoch und steil, dass wir es als vernünftiger ansahen, 20 SM retour nach Sozopol zu fahren, weil ein Aufenthalt im kleinen Hafenbecken (Marina voll belegt) unmöglich war.
An diesem Tag hat uns unser Freund Klaus Flach, ein erfahrener Segler und Buchautor eine Mail geschrieben: "Wir sind inzwischen wieder auf unserem Schiff in Griechenland, z.Zt. auf Samos und wir lesen natürlich weiter Eure Berichte. Hoffentlich seit Ihr inzwischen von Tzavero weggekommen, oder hält Euch immer noch das Biest (Schwarzes Meer) mit seinen steilen kurzen Wellen fest?"
Am nächsten Tag - nachdem er erfahren hat, dass wir umkehren mussten. hat er geschrieben:
"Mir fällt gerade auch noch ein, daß wir damals von Tzavero aus bei West 2-3 los sind und dachten, da ist bei Wind von Land ohne Wellen leicht zu segeln. Von wegen! Wir mußten auch bei Ignada abbrechen, weil der Landwind die anrollende Restwelle des Sturmes aus der Mitte des Schwarzen Meeres so steil machte, daß wir Angst hatten, die See schlägt uns das Pilothaus kaputt. Richtig, wartet bis sich das "Biest" auch in der Mitte beruhigt hat. Liebe Grüße Klaus"
Diese ungewöhnlich steile und kurze Welle ist offenbar auch für ein extem seegängiges Schiff wie die skandinavische Nauticat sehr unangenehm -
Unser Freund Bernd Jähn hat uns geschrieben:
Ähnliche Erfahrungen haben Doris und Manfred Sutter schon in ihrem Buch "Beluga geht durchs Nadelöhr" auf der gleichen Strecke beschrieben: "Unsere Flucht aus Burgas führt uns direkt auf ein völlig aufgewühltes Schwarzes Meer mit 3 m hoher Dünung. Es kann nicht schlimmer kommen. Doch es kommt schlimmer. Nach Umrundung von Kap Sveti Ivan nimmt die Dünung nochmals zu und der Wind frischt auf. Jetzt haben wir nicht nur 4 m hohe seitlich Dünung von backbord, sondern auch Wellen von hinten und von Land zurücklaufende Wellen an steuerbord. Der herrliche Küstenstrich ist schon lange nicht mehr interessant. Wir leben nur von einer Welle zur nächsten, von einer Minute zur nächten. Mit verspannten Schultern und steifen Fingern klammere ich den Geräteträger. Abwechseln hat man 4 m über sich den Bug des Bootes, dann blickt man seitlich waagerecht in das feuchte, schwarz-glitzernde Auge einer Wasserwand, dann hebt sich das Heck und man surft in ein tiefes Wellental. Es ist schlimm. Wir umrunden Kap Maslen Nos, das nächste, Kap Muchurin, wieder eins, Kap Akhtopol, die Landzungen wollen nicht enden, Kap Nos Rezovo. Das Wassser knallt mit Wucht gegen die Felsen, wird 20 m hoch geschleudert. Wenn die Motoren ausfallen, knallen wir genauso gegen die Felsen. Immer wieder ziehen die Propeller Luft. Die Vibrationen lassen das ganze Schiff erzittern. Die Geräusche dabei sind grauenerregend. Da, endlich die letzte Felswand, Kap Koru Burnu. Wir biegen in die Bucht von Igneata. Achterlicher Wind jagt uns vor sich her in den Hafen. Ich winke der Coastguard, doch sie drehen die Köpfe weg. Türkische Fischer winken uns an ihrem Boot anzulegen. Mit tremolierenden Händen übergebe ich Belugas Tau. Wir sind willkommen."
Die spezielle Herausforderung auf dieser Strecke zwischen hier und Istanbul liegt darin, dass man bei einer Verschlechterung des Wetter oder der Seebedingungen auf einer Strecke von mindestens 40 Seemeilen mit auflandigem starkem Wind entlang einer Steilküste mit unbarmherzig brechenden Wellen fährt, an der es keine Fluchtmöglichkeit in Form eines Schutzhafen oder auch nur einer wind- und seegangsgeschützten Bucht gibt. Eine Verschlechterung der Bedingungen kann unter diesen Umständen sehr schnell existenzbedrohend werden. Jeder der uns kennt weiß, was wir bereits erlebt haben und dass wir nicht feige sind - nur respektvoll vor den Naturgewalten.
Fazit: wir warten auf Wetterbesserung in Sozopol und werden uns sehr bemühen, den Zeitplan einzuhalten.
Die Border-Police hat uns hier schon besucht und darauf hingewiesen ,dass wir ja bereits ausklariert haben und daher zwar problemlos vor Anker liegen, aber nicht an Land gehen dürfen. Kein Problem - wir haben in den nächsten Tagen ohnehin viel zu tun, haben ca 20 Stunden damit verbracht, neue Drehzahlmesser für die Motoren einzubauen - weil am Schaltplan des Herstellers die Pole falsch beschriftet waren ... - weil wir das als die letzte Möglichkeit ansahen, haben wir vorher an einen Kabelfehler gedacht und alle 8 Kabel zu den 2 Motoren sowie die Displays getauscht. Wer schon einmal auf einem bereits fertig verkabelten Boot neue Kabel eingezogen hat, weiß wie lustig das ist ...
Heike beschäftigt sich mit optischen Verbesserungen der Lederverkleidung, Michael schreibt am Tagebuch, beide arbeiten am Vortrag über die Fahrt von Bonn bis in die Ägäis, den wir im Winter vorführen werden. Die Befestigung der zusätzlichen 12 Solar-Paneele im Bugbereich machen wir auch gerade - damit uns der Saft nie ausgeht!
Heute morgen haben wir den Wassermacher - einen der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände einer umweltbewussten autarken Yacht (damit man nie mehr Wasser in Plastikflaschen kaufen muss)- in Betrieb genommen. Eingebaut haben wir ihn bereits vor fast einem Jahr noch in Mondorf, nun war seine Zeit gekommen - das Wasser ist hier endlich sauber und wir kommen nicht in die Marina zum Wassertanken. Beim ersten Hochfahren war das System bereits dicht, nachdem die Leitungen entlüftet und die Konservierungsmittel ausgespült waren, konnten wir den ersten Schluck mit Solarstrom selbst produzierten Wassers testen. Ausgezeichnet! Und wegen des geringen Salzgehaltes des Schwarzen Meeres produziet er sogar 60 Liter pro Stunde. Echotec - deutsche Wertarbeit!
Ein paar Worte zur Solarwave: Was uns sehr freut, ist die Verläßlichkeit der gesamte elektrischen Anlage -Schalt-Komponenten von Philippi, Inverter von Victron-Energy, Haushaltsgeräte von Miele, Liebherr und Steca, Solarpaneele von Kioto und Verbindungen von Tyco, Solarregler von Steca und Outback-Powers, die Lampen von Prebit, Hella und Pur-LED, die über 3km Kabel - teilweise daumendick von Gebauer und Griller sowie nicht zuletzt die Motoren von Aquawatt mit Curtis-Steuerungen - alle Komponenten arbeiten absolut zuverlässig - ich gebs zu - unerwartet zuverlässig. Als wirklich leidgeprüfte Bootfahrer haben wir uns ja schon 60.000 Meilen weit um die Erde "repariert" - kaum ein Teil ist auf unseren bisherigen Booten verschont geblieben - der alte Segler-spruch "nur das, was nicht am Boot ist, kann nicht kaputt werden" und Murphy´s-Law - "alles was eintreten kann wird eintreten - selbst wenn es unmöglich ist" hat uns schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Auf diesem Boot haben wir die Produkte eingebaut, die uns bisher durch hohe Zuverlässigkeit aufgefallen sind und haben jene weggelassen, die immer wieder Sorgen machten - Dieselmotoren und Rigg mit Segel. Die Arbeiten am Boot beschränken sich auf Teile, die wir aus Zeitgründen bisher noch nicht einbauen konnten - mittlerweilen ist die Neu-Material-Kiste fast leer - wie schon erwähnt, nur noch die Halterungen für die Paneele am Bug fehlen noch - an den schon seit Bonn eingebauten Teilen mussten wir bisher nichts - aber auch gar nichts reparieren.
So etwas haben wir noch nie erlebt. Normal muckt der Motor, ein Fall ist durchgescheuert, ein Block gerissen, Luken undicht, Relingsstützen locker, Segel zu reparieren, eine Winsch schwergängig und immer wieder fallen sogar auf (bzw. speziell auf) fabriksneuen Schiffen Lampen, Glühbirnen und Steckdosen wegen eines Kontaktfehlers aus - wie gesagt, ein richtiger Segler "repariert sich um die Welt" ... ein elektrisches Boot - ordentlich verkabelt - ist weit stressfreier und entspannender als alles bisher Dagewesene.
Unter "Testberichte" können Sie unsere ehrliche Meinung zu etlichen von uns verwendeten und getesten Materialien nachlesen - da gibt es übrigens nicht nur "Beweihräucherungen und Danksagungen" sondern auch nicht so positive kritische Stellungnahmen ..... - lesenswert!
Nun müssen wir hier in der geschützten Bucht bei Windstärke 6-7 Beaufort, starker Bewölkung, Geschaukle und ab und an Regengüssen mit viel Eigenmotivation unsere schon genannten Dinge erledigen......... in der Hoffnung das Wetter verbessert sich schneller als angekündigt. Und ehrlich gesagt, ein Spaziergang an Land wäre auch mal wieder angenehm!!! Aber darauf werden wir wohl noch ein paar Tage warten müssen.
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