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Presserummel in Mangalia Drucken E-Mail
Montag, 09. August 2010 um 19:14
Die Solarwave ist nun in Mangalia - ca. 23 SM südlich von Constanta an der rumänischen Riviera - dutzende Hotelburgen und Clubs säumen die Ufer, man glaubt in Italien zu sein .........

Wir haben hier etliche Pressetermine und "Probefahrten" mit offiziellen Vertretern des Landes, verschiedene Bürgermeister, vom Polizei-Gereral über Regierungsvertreter bis zum obersten Chef der Küstenwache war schon alles da.

Vier Fernsehteams und etliche lokale und nationale Zeitungen und Zeitschriften haben mehrere dutzend Mal in den Nachrichten über Solarwave berichtet. Das Medieninteresse ist sogar größer als in Österreich. 

Wir liegen auf Einladung der Gemeinde während des Stadtfestes hier an der Uferpromenade und machen 30min Cruises für Touristen und Behördenvertreter.
Hier haben wir auch Norbert kennengelernt, er ist mit seinem nur 4 Meter langen Trimaran "Däumling" auf der Donau von Österreich bis ans Schwarze Meer gekommen - die ersten Meeres-2 Etappen von Sulina über Constanta nach Mangalia hat er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 2 Knoten bereits hinter sich. Da das Boot überhaupt keine Höhe laufen kann und die beiden sehr betagten Aussenborder auch nicht gegen den Wind eingesetzt werden können, sind wir über seinen Mut wirklich erstaunt - um es dezent zu formulieren. Der 4m lange und ca ebenso breite Eigenbau ist 2 Tonnen schwer und soll die sehr anspruchsvolle Strecke quer durch das Schwarze Meer, Bosporus, Dardanellen, Ägäis, Korinth (ist für mich fraglich, da er länger als zulässig durch den Kanal brauchen würde - ergo um den Peleponnes unten rum muss...) und über die Adria rauf bis Venedig durchhalten.
Da er von seinem Vorhaben überzeugt ist, können wir ihm nur viel Glück und gutes Wetter wünschen. - siehe Fotos

In Mangalia ist es drückend heiß, am Wasser zwar "nur" 32°, am Land aber täglich zwischen 35° und 40°C. Mangalia ist von den Hotelanlagen und den Stränden wirklich vergleichbar mit den Ferienburgen an der oberen Adria - Jesolo, Lignano .... nur zum Unterschied, hier bekommt man fast nichts zu kaufen. Tausende Menschen prominieren, aber es gbt nur sehr wenige Stände die etwas anbieten, Strandkleider um 3-4 Euro, Badeschlappen, Döner um 1,5 Euro. Die Restaurants sind aus der selben Liga - gestern haben wir um knapp 10 Euro gut zu Abend gegessen - inclusive Getränke und Rahmenprogramm ...
In kurzen Worten das Programm und die Mitwirkenden - Ort der Handlung, ein Selbstbedienungsrestaurant an der Promenade mit in Vitrinen sichtbaren Speisen, sehr schön gemacht, voller Sitzgarten - ein gutes Zeichen. Den sehr günstigen Preisen entspricht das Publikum.
Neben uns, eine Familie, die 4-jährige Tochter steht bzw. liegt halb rücklings über die am Tisch sitzende Mutter und bekommt im Abstand von 20 Sekunden ein Nahrungsbällchen eingestopft - bestehend aus Weißbrot als Objektträger, darauf Mais-Sterz darauf Pommes, das Weißbrot wird durch Drücken oben verschlossen und so lange zwischen den Fingern geknetet, bis es die richtige Form für den Kindermund hat. Das Kind kommt mit dem Kauen dieses unkaubaren etwas kaum zurecht, dehalb gibt es die Colaflasche nicht mehr aus der Hand. So bekommt die Kleine eine Portion eingeschoben, von der ich bequem satt geworden wäre. Man sieht es ihr auch an.
Der ca. 12-jährige Stammhalter der Familie liegt fast am Teller - 2 große Semmeln (Brötchen) ein Schnitzel und Unmengen von Pommes liegen vor seinem Mund. Die Gabel bleibt im Fleischstück stecken, er braucht sie nur, um besser abbeißen zu können und schiebt mit dem Fleisch die Pommes in den Mund. Wo er diese Technik gelernt hat ist unbekannt, von der Mutter nicht, sie verwendet kein Besteck, sie hat ja Finger. Auf Ihrem Teller sind die bereits erwähnten Zutaten: Brot, Polenta und Pommes. Der Vater stopft wortlos seinen Teil des preisgünstig Erworbenen in den Mund. Bis er stockt. Er rührt mit der Gabel - ja, dazu kann man sie verwenden - am Teller herum, stochert, der Sohn kichert, stochert weiter, legt etwas frei, die Mutter schüttel den Kopf, die Tochter kaut weiter und wird gestopft. Nach längerem Freilegen und Kichern steht er auf, geht zum Tresen, entsetzte Blicke auf der anderen Seite, das Teller verschwindet mit einigem Gezeter in der Küche, wir glauben etwas Braunes mit Beinen erkannt zu haben. 
Das war noch nicht alles!
Am Tisch hinter Heike isst ein kleiner Junge gerade rückwärts - die Mutter hält ihn an, nicht auf den Teller, sondern im Stehen mitten am Gang den Inhalt seines Magens zu verteilen. Es spritzt bis zu uns. Heike glaubt meiner Schilderung nicht, zum Glück, ihr wäre es sonst gleich ergangen ... erst als der Kellner mit dem gefüllten Kehrschauferl vorbeigeht ...... die Eltern verlassen mit dem Kind fluchtartig das Lokal und lassen die guten Speisen stehen ....
Am Tisch hinter mir werden von  3 Personen in gestoppten 4 Minuten 18 Stück Brot gegessen, zu einer Suppe, Schnitzel und einem Eintopf. Brot gibt es fast gratis.
Einer andere Frau isst alleine gezählte 18 Stück Brot zum Eintopf.
Wer glaubt, dass dies nun Einzelfälle waren, der irrt, wir haben uns noch ein 2.Bier gekauft um länger Zeugen diesen kunterbunten Treibens zu sein.


Die langen Jahre im Kommunismus haben dieses Land geprägt - zu Zeiten Ceausescus sagen viele, sei alles besser gewesen, sie hatten zwar wenig Geld, aber alle hatten Arbeit, Sicherheit, medizinische Versorgung.
Nach dem wundersamen Putsch, der filmreifen Verfolgung des in Ungnade gefallen Staatschefs und der Hinrichtung von Ihm und seiner Frau  - das möglicherweise von langer Hand aus dem Ausland vorbereitet wurde, folgten Jahre des Niedergangs. Vielfach hört man hier, dass das Land systematisch ruiniert wurde - keine Investitionen in Infrastruktur, Soziales, Arbeitsplätze - ganz im Gegenteil Ausverkauf des Staatsvermögens um Spottpreise an den Dunstkreis der Machthaber. Die wiederum haben die Unternehmen in der Folge mit horrenden Krediten zu weit überhöhten Preisen weiter im Kreis verkauft, bis alles ein gutes Geschäft gemacht haben - bis auf die (zumeist österreichischen) Banken, die das Ringelspiel finanziert haben. Aber die können ja entweder von der Republik Österreich Geld bekommen oder noch besser, eine "Kapitalaufstockung" durchführen. Eine herrliche Sache übrigens, wenn man kein Geld mehr hat, verkauft man Anteile von etwas, das einem schon längst nicht mehr gehört (weil man total verschuldet ist) und ist damit wieder flüssig. Mit dem Geld zahlt man dann längst fällige Kredite oder stopft andere Löcher ....
Aber zurück zu Rumänien - mit dem EU-Beitritt ist auf einmal Geld geflossen - die Firmen haben sich einen neuen Markt eröffnet, der vorher nicht zur Verfügung stand, die Arbeitnehmer dürfen in die gnaze Welt reisen, mit oder ohne Geld, manche kommen ohne Auto zu uns und fahren mit Auto wieder nach Hause.
Die EU finanziert hier großzügigst Infrastrukturmaßnahmen, auch viele für uns unverständliche. Kanal- und Strassenbauten, Yachten für die Küstenwache, hunderte hochmotorisierte Boote für die Überwachung der "hochbrisanten EU Innengrenze!!! auf der Donau" (zwischen Bulgarien und Rumänien - beide EU-Mitglieder!) - die nur herumstehen - na was sollten sie auch tun?
Die Marina in der wir stehen, wurde von der EU bezahlt, wenn (selten) auf der Tafel die Kostenverteilung draufsteht, dann sind es 90% EU, 10% Rumänien.

Was verdienen die Menschen hier eigentlich? Echte Beispiele von Menschen die wir persönlich kennen:
Veräuferin: 150 - 180 €
Lehrer ca. 40 Jahre: 400 €
Polizist ca. 40 Jahre: 400 - 500 Euro
Facharzt angestellt in Kassenpraxis: 300 €
Arzt im Krankenhaus: unter 300 €
Pensionist Arbeiter: 120 bis 150 €
Pensionist Akademiker: ca. 250 - 300 €

Einschränkung: es gibt mitunter lokale Unterschiede und die Einreihung in einen mit unserem System vergleichbaren Dienstrang ist tw. schwierig.

Was kosten die Wohungen und das Leben?
3 Zimmer in sehr guter Lage: 700 - 1000 €
3 Zimmer in günstiger Lage: 100 - 200 € warm
Autos: ungefähr gleich wie bei uns
Handy: billig, weil sich die Anbieter bekriegen (1200 min um 5 €)
Essen gehen: ca. 30 - 50 %  billiger als in D und Ö
Nahrungsmittel: 0 - 30% billiger als in D und Ö
Treibstoff: 10 % billiger als in D und Ö

Unter dem Strich frägt man sich, die wie Leute hier ihr Leben finanzieren - Antwort der Einheimischen: mit unzähligen Geschäften unter der Hand. Da wird z.B. Honig verkauft, Autos aus D und Ö geholt und hier verkauft, kleine Provisionen empfangen für Kontakte oder Gefälligkeiten, günstige Nahrungsmittel bei Verwandten vom Land bezogen, teilweise sind es auch Geschäfte in der Grauzone zur Kriminalität. Auf meine blauäugige Frage, ob es denn eine EU-Förderung für neue starke Aussenbordmotoren gibt - man sieht hier ungewöhnlich viele uralte, kleine Boote mit hochmodernen 225, 250, 300 PS Aussenbordern - bekam ich die Antwort von einem, der es wissen musste: "90 % sind gestohlen - kommen  aus Italien".
Ein hochintelligenter Elektroingenier - siehe Foto mit seinem Fahrrad - (gekündigt, in Frühpension mit 250 €) besucht uns täglich am Boot - er führt auf der Promenade sein Fahrad mit Hand- und Fussbetrieb (absolut genial!!! - Produzent gesucht!) und ein von ihm gebautes 25 kmh schnelles "Wasserfahrad" mit Flossenantrieb vor und ersucht um Spenden für weitere Entwicklungen.

Die breite Masse, denen diese Möglichkeiten des Zuverdienstes nicht offenstehen, sind bitterarm, die sieht man aber auch nicht in den Einkaufsstraßen und am Strand .....

Der Rolls Royce, AMG S63 Mercedes, Cayenne S, Bentley und die unzähligen Geländewägen, die fallen auf.

Kurz ein wenig Geschichte - der römische Dichter Ovid (siehe Foto) wurde 8 nChr, nach Constanta verbannt wo er lebte und starb, prachtvolle klassizistische Bauten, die leider sehr verfallen sind kennzeichnen diese Stadt. Hier ein Foto des leider leer stehenden (Jugendstil) Casinos, das bereits eine sehr ruhmvolle Vergangenheit erleben durfte und vielleicht doch noch einmal im alten Glanz erstrahlen darf.