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Nun haben wir einige Städte in Rumänien gesehen - überaus freundliche Menschen auf der einen Seite und marode Bausubstanz und leere Betriebsgelände auf der anderen Seite kennzeichnen dieses Land. Je mehr Einblick in dieses System gewinnt, desto absurder erscheinen die überall lustig im Wind flatternden EU-Flaggen. Man glaubt es nicht, man ist hier mitten in der EU - siehe Foto unten.
Der EU-Beitritt Rumäniens war sicherlich ein gutes Geschäft. Für Politiker, Lobbyisten, mittel- und westeuropäische Unternehmen und Günstlinge dieser Systeme. Leider kein Vorteil für die, um die es angeblich geht, für die, die diese Politiker gewählt haben, für die, die diese Suppe nun auslöffeln müssen - die Bevölkerung Rumäniens. Kein Tag vergeht, an dem uns nicht jemand erklärt: "das hätte es unter Ceausescu nicht gegeben", "Ceasescu hätte niemals Hallen leer stehen lassen", "damals hatten alle Arbeit und jeder wusste dass er auch morgen Arbeit haben wird", "früher hatten alle Sicherheit, eine ordentliche Wohnung und niemand musste hungern"
Ein Polizist oder ein Lehrer mit 20 Dienstjahren verdient ca. 400 - 500 Euro maximal, Pensionisten sind meist wesentlich ärmer dran - 150 - 200 Euro sind da die Regel. Seit Juli 2010 gibt es pauschal für alle 25% weniger Lohn. Richtig gelesen - ein Viertel weniger. Einfach so. Dafür wurde die Mehrwertsteuer auf 24% angehoben - im gleichen Monat. Einfach so.
Die Straßen sind miserabel, ebenso die Infrastruktur und das Gesundheitswesen. Zum Ausgleich dafür gibt es reichlich Verwaltung. "Verwaltung kostet nichts" hat mein ehemaliger Chef Hofrat G.G. (die ihn kennen werden jetzt schmunzeln) gesagt. Der Spruch stimmt sogar, wenn man ein paar Worte hinzufügt: "Verwaltung kostet viel und bringt nichts". Zugegeben, ein bisserl Verwaltung ist notwendig, aber wenn man zum Eintritt in einen Nationalpark Reisepass und Schiffspapiere vorweisen und mehrere Zettel ausfüllen muss, zu einer in einem anderen Gebäudetrakt gelegenen Zahlstelle gehen muss, mit der Bestätigung retour um sich wieder ein neues Formular abzuholen - das ganze für Boot und Personen getrennt, dann hört man schon den Amtsschimmel laut wiechern. Unzählige Zettel müssen ausgefüllt werden die WIR mit unserem Bootsstempel abstempeln müssen. Ohne eigenem Stempel läuft da gar nichts. Richtig gelesen - eine Rechnung die ich bezahlen muss, muss ich als Kunde abstempeln. Man stelle sich diese Prozedere beim Eingang in den Nationalpark Hohe Tauern vor. Holländische Touristen mit eigenem Stempel bevölkern riesige Verwaltungsburgen und brauchen zwei Stunden für den Verwaltungskram bis sie weiterfahren dürfen. Was würde die Bild-Zeitung am nächsten Tag auf der Titelseite schreiben? "Össis verückt geworden"!
Ein einfacher Fischer hat es auf den Punkt gebracht. Wir sind eines Abends zusammen bei uns am Boot gesessen, haben Wein getrunken, er konnte kein Wort deutsch oder englisch, wir kein Wort rumänisch, mit italienisch kommt man auch nicht weit. Trotzdem haben wir uns prächtig verstanden. Zu vorgerückter Stunde hat er gemeint: "Germania, Austria super, Romania (dann hielt er sich beide Hände von hinten so an den Kopf, dass die ausgestreckten Zeige und Mittelfinger über den Kopf hinausschauten wie 2 Tierohren - und dabei machte er folgendes Geräusch) "iii-ahhhh - iiiaahhhhh - Romania iii ahhhh". Traurig aber wahr - am abfälligsten über ihr eigenes Land und deren Bewohner äußern sich die Einheimischen. Als so schlimm empfinden wir es gar nicht - das Land ist wunderschön, die Menschen überaus freundlich und herzlich. Lediglich der politische Selbstbedienungsladen müsste verringert und die Produktivität gesteigert werden - und natürlich ohne EU-Milliarden, zu Ceausescus Zeiten hatte das Land ja schließlich auch keine Schulden.
Für das Parken an einem staatlichen Steg muss man - warum auch immer - in Euro bezahlen, bisher hatte aber keine der beamteten Damen auch nur einen Euro Wechselgeld. So gewinnt man zufriedene Kunden!
Ständig treiben ganze Bäume (die sind wenigsten "bio") Plastikflaschen, Öl-und Benzinflecken vorbei. Nein, nicht die bösen Serben haben den Müll ins Wasser geworfen, hier, die eigenen Leute mitten im Naturschutzgebiet werfen ständig von den Booten Flaschen ins Wasser, vom Boot direkt vor uns treibt ein großer Benzinteppich talwärts und die unzähligen uralten russischen Tragflügelboote, die die einzelnen Orte des straßenlosen Deltas miteinander verbinden, hinterlassen ganze Öl- und Rußlachen.
Trotz eingehender Nachfrage hat uns der Governor des Naturschutzgebietes persönlich erklärt, auch ein Solarboot muss den vollen Naturschutzbeitrag entrichten, weil auch wir die Ruhe im Reservat stören .... wir stören zwar lautlos und geruchlos, aber wir stören. Das Boot der Nationalparkverwaltung heißt sinnigerweise "Biosphere" und hat einen 250PS Motor hinten drauf. Damit erreicht das 5m Boot eine Höchstgeschwindigkeit von geschätzten 140 kmh - sehr sinnvoll im Reservat!
So - genug geunkt.
Nun zu den positiven Dingen. Gestern war ein Team von "Antenne uno" - dem größten rumänischen TV-Sender an Bord - heute wurde der Bericht bereits mehrmals gesendet und ist bereits auch auf unserer Website zu sehen. Als Reaktion darauf haben sich die Zugriffe auf unsere Website verdreifacht, ständig fahren Motoryachten mit Einheimischen an Bord im Schrittempo an uns vorbei und fotografieren die Solarwave aus allen Richtungen. Immer wieder werden wir von Passanten angesprochen. Das Interesse der Menschen ist sehr groß, so wird der Druck auf die Industrie, Dinge wie den Solarwave-Kat zu produzieren von der Basis kommen. Auch der Herr Governor - Befehlshaber über einen großen Verwaltungsapparat, etliche Reservatwächter, viele hoch-PS-ige Rennboote mit 300 PS Benzineraussenbordern und über das über 4000 km² große Donaudelta war heute an Bord und zeigte sich begeistert vom Solarwave-Projekt. Man überlegt, die Boote der Naturschutzwächter auf lautlose E-Motoren umzurüsten. Na mal sehen.
Der Abend kehrt ein, die mit Vollgas vorbei düsenden Motorboote und die maroden Frachter werden weniger, die Donau fließt ruhig an uns verbei, ein großer mächtier Strom, der sich von den PS-Monstern nur kurz aus der Ruhe bringen läßt. Nebn uns der Raddampfer "Republika" - 1888 in Linz gebaut wurde sie im ersten Weltkrieg von den Rumänen beschlagnahmt und diente seitdem bei der Kriegsmarine - bis man sich 2003 entschloss, das stolze Stück Geschichte zu restaurieren und als Restaurant zu einem würdevollen 2. Leben zu verhelfen. Eine sehr schöne Geste der rumänischen Militärs, die Stadt Tulcea ist nun Eigentümerin dieses Museumsstückes. Wir haben eine persönliche Führung durch Käpt´n George, den Herr über Dampfmaschine und 2 Schaufelräder erleben dürfen. Sehr erfreulich das dieses Prachtstück erhalten geblieben ist.

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