Home Solarwave-Project Archiv Reisetagebuch 2012
Reisetagebuch 2012
15
May
2012
turbulente Nacht Print E-mail
x
Wenig geschlafen.
Der Wetterbericht war eindeutig, bis Dienstag Wind aus Süd mit ca. 6 Beaufort - den hatten wir auch - am Montag. In der Nacht starke Gewitter, strömender Regen. Wir liegen längsseits an der Südmole in Vathi auf der Insel Ithaka als der Wind im Zuge der Gewitter auf Nord dreht und an Stärke zulegt. Es wird ungemütlich und die Wellen aus der nach Norden offenen Bucht werden immer höher. In Verbindung mit den Wellen die von der Mole reflektiert werden, türmen sich unregelmäßige, steile Seen auf. Es sieht aus, als ob das Wasser kochen würde. Die Coast Guard bringt ihr Boot, das vor einer Mole vor Anker liegt, hinter der Mole in Sicherheit. Wir nutzen die Gelegeheit und zu fragen, ob sie uns ein wenig von der Mole gegen den Wind freischleppen können, damit uns der Wind nicht so draufdrückt und wir ohne Beschädigung wegkommen. Sie lehnen mit der Begründung ab, es sei nicht erlaubt mit diesem Boot zu schleppen ...... tolle Küstenwache! Wir helfen den beiden Herren noch, ihr 2 x 300 PS starkes Boot sicher zu verankern und trocken aus dem wild schaukelnden Boot an Land zu kommen. Aber, sie rufen einen Kapitän eines starken Ausflugsbootes, der soll uns freischleppen. Der kam wenige Minuten später, er hatte bereits geschlafen - ach ja, es war schon nach Mitternacht, auch wir hatten schon geschlafen - und erklärte uns, auch er könne uns nicht freischleppen, er haben keine Mannschaft, die die Leinen bei so einer Aktion bedienen könnte. Die Wellen warfen die Solarwave immer wieder gegen die Mole, die Fender drohten immer wieder durch die hohen Wellen heraus zu springen - wir hatten bereits alles was
wir hatten zwischen Boot und Steinmole gepackt - 3 Kugelfender, 7 Langfender und 2 Autoreifen, die uns in den Schleusen sehr gute Dienste geleistet hatten.
Aber - in diesem Moment besann sich Äolus, der griechische Gott der Winde, sich kurz zu verschnaufen, der Wind ließ für eine kurze Zeit nach. Sofort eine Achterspring gersetzt, alle anderen Leinen los, mit entsprechender Motorleistung und einem speziellen Manöver, das nur mit einem Kat möglich ist, gelang es, die Solarwave so weit von der Mole weg
zu drehen, dass wir wegfahren konnten. Nur wenige Meter weiter war das Wasser deutlich ruhiger (keine Reflexionen von der Hafenmauer), wir setzten den Anker und konnten nach einiger Zeit der Beruhigung kurz vor 3 Uhr wieder schafen gehen.

Es weht noch immer recht kräftig mit ca. 20 - 23 Knoten und regnet gerade wieder, wir liegen aber sicher und ruhig vor Anker.
 
13
May
2012
Die Solarwave ist kein richtiges Schiff Print E-mail
x

Herrliches Wetter - manachmal leicht durchzogen von Wolken und noch immer jahreszeitlich bedingt nicht heiß.
Gestern hat uns ein Deutscher etwas geärgert. Er liegt vor Anker und wartet auf das Öffnen der Brücke von Lekas um durch den Kanal fahren zu können. Wir haben den selben Weg, grüßen freundlich und parken uns höflich hinter ihm ein. Ein anderer Deutscher den wir - siehe voriger Blog - von unserem Vortrag in Berlin kennen, gesellt sich mit seinem Boot dazu. Der erstere Segler spricht ihn an und sagt im Zuge der Unterhaltung zu uns herüber deutend: "das ist ja kein richtiges Boot, das was wir haben (Anm: er meint sein Boot und das des Berliners), das sind halt noch richtige Schiffe". Heike hat mich beruhigt, sonst wäre mir so manche Antwort eingefallen!
Nach der Kanalausfahrt hat der Kapitän des "Schiffes", einer ca. 33 Fuss (ca.10m) langen betagten Slup sofort Segel gesetzt, ist dabei unerklärliche Schlangenlinien gefahren und hat danach mangels Wind seine Geschwindigkeit auf praktisch Null reduziert. Offenbar hat es ihn dann doch nicht so gefallen, dass sein "richtiges Schiff" von der Solarwave (kein richtiges Schiff) lautlos überholt wurde und die Solarwave von seinem kleinen Boot aus gesehen, langsam am Horizont verschwunden ist .... - überflüssig zu erwähnen - er hat dann seinen Motor gestartet die Segel gestrichen, und ist unter Motor die ganze lange Strecke nach Preveza gefahren und genau um die Zeit, die er zu segeln versucht hatte nach uns dort angekommen. Ca. 20 Minuten. Er hat es dann vorgezogen nicht in den Stadthafen wie alle Boote zu fahren, sondern ist hinter einer Landzunge vor Anker gefahren. Schade, ich hätte gerne mit ihm über die Vorzüge seines richtigen Schiffes gesprochen und hätte ihn gerne gefragt, inwiefern sein "Schiff" so viel besser sein soll als unser Boot. Auch bei 8 Beaufort traue ich der Solarwave zu, gegen sein zugegeben gutes Boot anzutreten. Bei weniger als 8 Bft. sowieso. Und bei deutlich über 8 Bft. ist es auf dem 10-Meter Boot sicher auch nicht so lustig. Wir freuen uns über jeden Vergleich - z.B. hinsichtlich Bequemlichkeit, Seegangsverhalten, Sicherheit, Lautstärke, Kosten pro gefahrener Meile, Anschaffungskosten und auch hinsichtlich erzielter Durchschnittsgeschwindigkeit, Genuß der Natur Entspannung und Entschleunigung.

Aber sein Schiff hat halt ein Segel und ist allein damit schon ein "richtiges Schiff"!
UND - Katamarane sind ja sowieso keine Schiffe. Richtige Schiffe schwimmen nicht vom alleine aufrecht, richtige Schiffe brauchen Blei, damit sie nicht umfallen! Ja, so ist das. Und jetzt werde ich es mir endlich merken. Versprochen!


Fazit: man muß nur dreiste, falsche, verletzende und diffamierende Äußerungen von sich geben, und schon wird man berühmt und findet sein Konterfei im Internet.
Das "richtige Schiff" heißt Chica (spanisch: Mädchen) und ist auf dem Foto zu sehen, wenn einer den "richtigen Kapitän" dieses "richtigen Schiffes" kennt, kann er ihm ja gerne Grüße von uns bestellen. Wenn ihm mal Wind oder Strom fehlt, kann er uns ja anrufen, wir helfen ihn dennoch gerne aus.

Herzliche Grüße, Heike und Michael

Fotos:
Die "Ziegenbucht" östlich von Lefkas - ein Kilometer Strand nur für uns
* die "Chica", ein "richtiges Segelschiff" - heute allerdings unter Motor. Beachten Sie den vielsagenden Blick des Kapitäns nach oben "Himmel, welch Schmach tust du mir an! Wo, Herrgott, wo bleibt der Wind?!"

 
10
May
2012
Der Süden hat uns wieder Print E-mail
x

Das Wetter ist schön aber es ist noch immer ein wenig kühl, das Wasser hat 19°C, der Wind ist geradezu eisig. Aber an einem windgeschützten Platz ist es herrlich!
Deshalb legen wir täglich relativ große Strecken zurück und schauen uns viele schöne Orte an, weil es eigenltlich noch zu kalt zum Baden ist. Wir waren diese Woche schon auf der Westseite von Lefkas bei den Traumstränden, in Fiskardo, der Stadt auf Kefallonia die zum Weltkulturerbe gehört, natürlich auf Kastos und Kalamos, auf Atokos der Insel des Zyklopen und auf Meganisi.
Die Solarwave läuft wie in den letzten beiden Jahren problemlos, unermüdlich zieht sie ihre Runden, unabhängig von Wind und Sonne. Gestern hat uns ein Berliner angesprochen, der uns schon auf einem Vortrag in Berlin kennengelernt hatte und sich freute, die Solarwave in Natura zu sehen. 57% - hat er uns erklärt, sind sie heuer sogar schon gesegelt, aber nur, weil am letzten Tag so herrlicher Wind war uns sie deshalb eine größere Strecke zurückgelegt hatten. Ansonsten ist der Segelanteil deutlich geringer als der Motoranteil.
Die Gefühle und die Äußerungen, die der Solarwave entgegengebracht werden, schwanken zwischen verächtlichem Wegsehen, Belächeln und Bewunderung ... zum Glück überwiegend Letzteres.

Unser Watermaker ist derzeit auf Karenz - der Elektromotor der die Hochdruckpumpe antreibt ist defekt. Der Hersteller hat promptest reagiert und schickt eine Neue, sie sollte laut Trackreport morgen eintreffen. Bravo und herzlichen Dank! Ich habe schon oft lobende Worte für den Echotec Watermaker gefunden - aus ehrlicher Überzeugung. Auf unserem vorigen Boot hat er über 30.000 Liter produziert und auf der Solarwave waren es sicher auch schon über 20.000 Liter - ohne irgendwelche Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Warum der Motor - der eigentlich ewig läuft, seinen Geist aufgibt, ist noch ein Rätsel, die Ursache wird gerade analysiert, wir werden darüber berichten. Dass Dinge an Bord kaputt werden, ist nur natürlich. Das wissen alle Bootfahrer. Unterschiedlich ist lediglich die Art und Weise wie die Hersteller dieser Sachen damit umgehen. Echotec ist vorbildlich - sie haben von einer Reparatur abgeraten und schicken kostenlos mit FedEx einen neuen Motor. Danke nochmals an Michael Bauza, einen Deutschen, der in Trinidad diese Wassermacher herstellt.

Einen weiteren Vorteil hat die Geschichte - wir lernen unseren Wassermacher noch mehr zu schätzen - die Tatsache, zu jeder Tages und Nachtzeit einen vollen Tank zu haben und nie die Route nach den Möglichkeit wieder nachzutanken gestalten zu müssen, sondern völlig frei entscheiden zu können wo wir hinfahren. Denn in dieser Woche müssen wir Wasser sparen und uns immer überlegen, wo wir wieder Wasser tanken können.  Hier der Link zu diesen wirklich guten Produkten: www.wassermacher.com

Eine lustige Geschichte zum Abschluss: Wir haben nun eine eigene Steuernummer in Griechenland! Wir dürfen da jetzt Steuern zahlen! Hurra!
Wie kommt es dazu? Wir haben beschlossen, uns heuer einen Internetstick zu nehmen, um nicht wieder von schlechten lokalen Netzen abhängig zu sein. Die Getränke in den Internetcafes sind uns schon teurer gekommen als die monatliche Gebühr für so einen mobilen Internetzugang. Ganz zu schweigen vom Komfort - dass man im Boot am Laptop sitzend seine Arbeit machen kann und nicht mit Laptop, Festplatte und externer Antenne mit dem Beiboot in die Stadt fahren und ein Cafe suchen muss, bei dem das WiFi auch tatsächlich funktioniert und dann unter Zeitdruck - die anderen waren ja schon - schnell Mails schickt und abfrägt und dann wieder zurück an Bord eilt. Wir haben ja auch ein Satellitentelefon mit Internetzugang, diesen Service aber in Landnähe zu benutzen ist unsinnig.
Eine PrePaid-SIM-Karte bekommt jeder, aber die sind teuer - in der Anschaffung und im Betrieb. Eine SIM mit Vertrag - so wie bei uns beim Handy - ist viel billiger, aber dafür braucht man - sie haben es schon erraten - eine Steuernummer! Keine Ahnung warum, verrückterweise keinen Meldezettel, keine Bankverbindung. Aufgrund von Angaben, die leicht geschwindelt sein könnten, bekommt man ein Dokument vom Finanzamt, mit dem man sich gleich mehrere Telefone und Sticks GRATIS aus dem Geschäft mitnehmen und sie zumindest 2 Monate gratis betreiben könnte - dann würden sie abgeschaltet werden, wenn keine Zahlung einlangt. Rechnung wird per Post an die angegebene aber nicht überprüfte Adresse verschickt.
Weil ich mir das so gar nicht vorstellen kann, werde ich morgen gleich 3 Monate im Voraus bezahlen.


Herzliche Grüße, Heike und Michael

 

Fotos:
* Heike macht Zahnbrasse mit Rosmarinkartoffeln
* unsere Gäste baden vor der atemberaubenden Kulisse des Felsen des Zyklopen auf der Insel Atokos
* die Solarwave in Atokos

 
05
May
2012
Paxos und Aktion gegern die Klimaerwärmung Print E-mail
x

Nun liegen wir seit einer Woche in Paxos - eine traumhafte Insel! Haben ein paar Spaziergänge über die Insel gemacht, uns den ersten Sonnenbrand geholt, es wird allmählich wärmer, zweimal waren wir schon für ein paar Sekunden im Wasser.
Gestern sind wir von der Lakka-Bucht im Norden der Insel nach Gaios, dem Hauptort von Paxos gefahren. Kein Fährverkehr, die Griechen streiken mal wieder ... dafür haben sie Zeit zum rumballern. Zuerst hielten wir es für eine Art Silvesterschießen mit Böllern, aber als wir immer wieder Herren in Tarnanzug gesehen hatten und uns andere von einem schießwütigen Opi erzählt haben, der auf seinem Balkon sitzt und aus der Hüfte auf alles schießt was sich bewegt war uns alles klar. Wachteln sind es, die von Treibern - vermutlichen nehmen sie für diesen lebensgefährlichen Job Albaner - aufgescheucht werden und auffliegen. Dann legt der tapfere Jägersmann an und ballert 5 bis 8-mal. Ja - richtig gelesen, 5 - 8-mal. Bumm bumm - - bumm bumm bumm ....bumm bumm!
Als nicht ganz Laie sag ich mal Schrot-Halbautomat mit mindestens 8 Schuss. Und damit auf Wachteln? Wachtel gespickt im Bleimantel. Kaum vorstellbar, dass da noch irgendwas vom Vogel übrigbleibt, wenn der davon getroffen wird. Im Waffenladen haben wir spezielle Schrotmunition für kleine Singvögel entdeckt! Die Spazierwege sind gepflastert von den leeren Schrothülsen. Foto von den tapferen Jägern gibt es leider keines, ich bin zu feige, gehe nicht mehr in den Wald solange die wie die Verrückten rumballern.

Wir haben im Cockpit einige Fugen neu mit Sika verfugt, Heike hat die verschiebbare Wand unseres Wirtschaftsraumes neu tapeziert, sehr schön geworden - Foto anbei.
Ich habe in 2 Kabinen Ventilatoren montiert und unseren Cleanaqua Wasserentkeimer eine eigene Sicherung verpasst - Kabel durch das ganze Schiff gelegt. So nebenbei auch den Tankgeber des Dieseltanks eingebaut und angeschlossen. Ziemlich sinnlose Sache - da wir keinen Diesel
verbrauchen, ist der der Tankstand immer der selbe ......
Neue Anker-Schäkel montiert, putzen, die feucht gewordene Hupe repariert, verschiedene Einlegeböden lackiert, Reling und Niroteile poliert und vieles mehr ....

Und wir haben etwas gegen die Klimaerwärmung getan! Unser Kühlschrank produziert mehr Eiswürfel als wir verbrauchen können, also haben wir sie in das Wasser geschüttet - gegen den Treibhaus-Effekt! Siehe Foto! Im Spaß - bitte nicht ernstnehmen!

Am Donnerstag sind wir von Paxos zurück nach Preveza gefahren - seit Tagen haben wir uns schon auf diese Fahrt gefreut. Geplant war, den ganzen Tag nichts zu arbeiten sondern nur das Schiff zu steuern und in der Sonne zu liegen. So der Traum.
Nun die Realität: wir legen bei dichtem Nebel noch vor Sonnenaufgang ab, kaum verlassen wir den Schutz der Insel kommt der WInd aus Süd-Osten - genau von vorne. Prognostiziert war Nord-Westen - von hinten. Der Nebel lichtet sich nach ein paar Stunden und verwandelt sich in starke Bewölkung. Eine unangenehme Kreuzsee - nicht hoch, aber sehr lästig - schaukelt das Boot hin und her, nicht daran zu denken, entspannt in der Sonne zu liegen....... und wir haben uns so auf diese schöne lange Fahrt gefreut!
Erst gegen Mittag entspannt sich die Lage, es wird schöner, aber noch immer bewölkt. Dennoch erreichen wir Preveza mit einem Batteriestand von 78% und sind 4,8 Knoten Schnitt gefahren. Das ist doch ok. - Und um 17.30 waren die Batterien wieder voll geladen!
Unterwegs haben wir insgesamt 9 "Segelboote" gesehen - KEINES ohne Motor - also Motorboote mit Mast. Trotz wirklich gutem Wind von 12 - 14 Knoten fahren sie lieber bei halbem Wind unter Motor. Wenn jemand eine Erklärung dafür hat, soll er sie mir bitte schreiben. Danke.


Wir hätten auch morgen Freitag fahren können, aber einerseits müssen wir noch einkaufen gehen - ab Samstag sind wir zu sechst - und andererseits hat gestern der Antriebsmotor des Watermakers seinen Geist aufgegeben. Ich habe zwar noch den Fehler gefunden, eine Kohlenbürste war defekt,
deshalb lief er heiß - und auch gleich beide Bürsten ausgetauscht. Hab dann aber aus Sicherheitsgründen beschlossen, doch einen Fachmann zu konsultieren. Der soll die Wicklung und den Schleifring überprüfen und gegebenenfalls die Lager tauschen. Bei einem so wichtigen Teil ist es
das wert.
Jetzt hoffe ich nur, dass ich in Preveza einen solchen Fachbetrieb finde! Mal sehen ...

Fotos:

* Heike beim neu Verfugen

* wirksame Aktion gegen die Erwärmung der Weltmeere (Achtung - Spaß!!!),

* beim Abendessen (Tepanyaki-Grill) mit unseren ehemaligen Nachbarn aus
Klagenfurt, die ein Haus auf Paxos haben (Tipp - kann man mieten!!!),

* Michael verlegt Kabel für den Tankgeber

Herzliche Grüße, Heike und Michael

 
29
Apr
2012
Solarwave an der Tankstelle! Print E-mail
x
Alle haben es längst erwartet, wir geben es nun offiziell zu. Nach über 4000 Seemeilen ausschließlich mit Sonnenenergie haben wir es nicht mehr ausgehalten, wir sind wie alle anderen Treibstoff-Junkies an die Tanke gefahren. Warum? Na weil der Tank leer war. Wie konnte das sein, wenn man den Generator nicht verwendet? Ganz einfach, indem man den Diesel per Schlauch aus dem Bootstank in den Autotank umfüllt! Und warum macht man das? Weil das noch deutscher Sprit war, den wir vor über 2 Jahren getankt hatten - und der Diesel wird auch nicht besser, wenn er jahrelang im Tank auf seinen Einsatz warten muß! Es hatten sich bereits Algen gebildet. Also wurden die Algen herausgefischt, ein Dieseladditiv gegen Algen hinzugefügt, per Schlauch und "Mundpumpe" der Inhalt von über 80 Litern in 2 Tranchen umgefüllt - damit sind wir vorige Woche nach Meteora gefahren und haben danach wieder das Auto vollgetankt! Aus Sicherheitsgründen sind wir sehr froh, einen Generator an Bord zu haben. Noch mehr freuen wir uns, wenn wir ihn wie in den letzten beiden Jahren nicht benötigen.
Also sind wir in der Marina Cleopatra zur Tankstelle gefahren und haben ca. 30 Liter frischen Diesel getankt - und sind jetzt auch um 50 kg leichter.

In der Lakka-Bucht haben wir am 28.4. den Lade-Generator wieder in Betrieb genommen. Das dauerte 10 Minuten und war damit bei weitem aufwändiger als die Elektromotoren nach dem Winter wieder einzuschalten! Kein Wunder, es ist ja auch ein Verbrennungsmotor dabei! Wir mußten ein Bordventil öffnen, Wasser in den Ansaugschlauch nach dem Filter füllen, damit er schneller Wasser ansaugt, die Schallschutzhaube öffnen, Keilriemen, Motoröl, Luftfilter und verschiedene Kontakte prüfen, elektrische Verbindungen mit Anti-Feuchtigkeitsspray einsprühen. Wie bisher ist der Fischer-Panda mit der ersten Umdrehung des Starters sofort angesprungen und lupenrein gelaufen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir den Testlauf wie immer mit absolut proppevollen Batterien gemacht haben und ihn nur testweise - durch Einschalten aller 5 elektrischen Warmwasser-Boiler, der Waschmaschine und des Watermakers - belastet haben. Er hat kurz über 200 Ampere bei 48 Volt geliefert und sich dann selbst innerhalb von Minuten auf unter 20 Ampere hinuntergeregelt. Auch die Lichtmaschine lieferte kurz über 30 Ampere bei 12 Volt und hat sich auch mangels Energieentnahme ordnungsgemäß hinunter geregelt. Sehr erfreulich. Das schafft Vertrauen!

Den Watermaker haben wir wie schon erwähnt kurz vor dem Generator in Betrieb genommen, war auch keine große Geschichte. Es muss lediglich die Konservierungslösung aus dem System gespült werden, das bedeutet: einschalten und das produzierte Wasser für ca. 20 Minuten nicht in den Tank sondern außenbords leiten. Danach einen Probeschluck aus der Leitung nehmen, Qualität einwandfrei - fertig. Zur Feier des Tages haben wir gleich 200 Liter produziert und 2 x Wäsche gewaschen.
Das Getriebeöl der Hochdruckpumpe des Watermakers musste auch gewechselt werden - war ein wenig tricky, und eine ölige Patzerei, weil die Pumpe an einer schlecht zugänglichen Stele eingebaut ist. Da der Ölwechsel aber sehr selten notwendig ist, nehme ich das auf mich. Der Watermaker von Echotec arbeitet zuverlässig wie schon seit Jahren. Bisher keine Reparatur, der Ölwechsel war die allererste Wartungsarbeit. So soll es sein!

Auch unsere 2. Tiefkühltruhe haben wir wieder in Betrieb, nächste Woche kommen die ersten Gäste, danach geht es mit kurzen Unterbrechungen durch bis Mitte Oktober. Derzeit sind 18 Wochen bereits ausgebucht - wie im Vorjahr mit Journalisten die über Solarwave berichten und mit Kooperationspartnern die gratis mitfahren, weil sie uns beim Bau der Solarwave günstigere Preise gewährt haben,Techniker, die das Funktionieren Ihrer Geräte überprüfen und Messdaten entnehmen oder ehrenamtlich Helfer, die sich um das Projekt bemüht haben. Natürlich haben wir auch Gäste, die Interesse an der neuen Technologie haben oder sich selbst so ein Boot anschaffen möchten und sich von den Vorzügen zuvor selbst überzeugen wollen.

Beschreiben kann man das Gefühl ja wirklich nicht, wenn man völlig autark große Strecken fahren kann, kocht, kühlt und gefriert - und täglich auch noch die Heizung läuft - alles gratis. Die Boote rings um uns lassen mehrmals täglich den Motor laufen, um die Batterien zu laden, müssen ein Taxi nehmen, um die Gasflaschen wieder aufzufüllen - und fahren größtenteils unter Motor, weil der Wind nur selten passend ist .... wir können nicht ganz verstehen, warum es nicht schon längst viel mehr Nachahmer gibt ..... dieses System ist nicht nur viel praktischer, bequemer, wartungsärmer und kostengünstiger im Betrieb, sondern es ist auch preisgünstiger in der Anschaffung als Rigg, Segel und Dieselmotor.

Gestern haben wir eine liebe Mail von einem Segler bekommen - der selbst ein High-Tech Segelboot mit Carbon-Flügelmast besitzt. - die ich hier auszugsweise wiedergeben möchte:
This is Byron from the catamaran Safari - with the un-stayed carbon fibre wing mast.  The more I think about your solar boat the more I realise what a great idea it is.........

Herzliche Grüße, Heike und Michael